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Flachlandtiroler am Gardasee

Text: Sven
Fotos: Sven / RallerHL

Flachlandtiroler am Gardasee

 

Dies ist eine Geschichte vom Murmeltier, Gamsbock, Rebhuhn, Forellen und schwulen Enten.

Ich kann diesen Bericht schreiben, da wir nach 5000 Kilometern wieder gesund, erholt und reichlich bespasst wieder zu Hause angekommen sind. Aber der Reihe nach!
Nachdem dieser Urlaub eine lange Vorlaufplanungsphase hatte und trotzdem für Petra und mich bis kurz vor dem Start fraglich war, ob wir am 01.06.12 zusammen mit Waltraud und RallerHL starten konnten, nahmen wir unsere erste (Autobahn-)Etappe in Angriff.

585 Tageskilometer bis kurz hinter Würzburg lagen vor uns. Problemlos spulten wir die Kilometer herunter. Der zweite Tag sollte uns mehr Spaß machen, denn es war ein großer Anteil von Landstraße dabei.

Zu sechst, mit Kerstin und Winger, nahmen wir diese Etappe unter die Räder. Allerdings sollte uns der Spaß schnell vergehen und wir sollten für die 480 Kilometer mehr als 11 Stunden unterwegs sein.

Am Ende der A7 war bei Füssen der Tunnel zum Fernpaß gesperrt. Nach einer Betankung und kurzer Lagebesprechung entschieden wir uns für eine Alternativroute und landeten auch dort in einem Stau. Also die Alternative zur Alternative fahren und die führte uns über das Hahntennjoch. Die voll beladenen Motorräder und auch die Fahrer hatten ordentlich zu arbeiten. Das Handling war aufgrund des Gewichtes und des höheren Schwerpunktes bescheiden. Außerdem war es sehr warm (27 Grad) und so kamen wir bei unserem zweiten Übernachtungspunkt (bei Meran) gegen 20 Uhr ermüdet an.

Die Wirtsleute begrüßten uns freundlich und boten uns sofort ein Bier an, was noch vor dem Erreichen der Kehle verdunstete.

 

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Später gab es die erste italienische Pizza bigsmile

Nach einer erholsamen Nacht nahmen wir die letzten 150 Kilometer bis nach Brenzone am Gardasee in Angriff.
Wir konnten den ersten Blick auf den Gardasee gar nicht erwarten und vermuteten ihn hinter jedem Berg.

20 Kilometer vor unserem Ziel war er dann da und es roch irgendwie anders. Es roch nach Urlaub, Olivenbäumen und Erholung. Temperatur: 28 Grad und wir bezogen unsere wunderschönen Zimmer. Der Blick vom Balkon war phantastisch:

 

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Die Motorräder hatten wir in der Tiefgarage geparkt, die Motorradjacke hatten wir ausgezogen und holten unser Gepäck.

Gott sei Dank gab es einen Fahrstuhl, den Kerstin, Winger, Ralf und ich mit Gepäck bestiegen.

2. OG gedrückt, Tür ging zu und es war brütend heiß im Fahrstuhl. Uns allen lief der Schweiß. Die Fahrt begann. Dachten wir! Das dauert aber lange, zu lange! Wir schauten uns in die verschwitzen Gesichter, staunten. Nichts tat sich. Oh Gott, nein, bitte nicht. Eng, heiß und dort verspürte ich erstmals Panik. Platzangst kannte ich bis dahin nicht. Bitte nicht hier eingesperrt sein bei der Hitze. Wir drückten nochmals den Knopf fürs 2. OG. Es tat sich nichts. Den Notrufknopf gedrückt. Es meldete sich eine Stimme in der Landessprache, welche wir nicht verstanden. Winger redete beruhigend auf uns ein. Ich bekam davon wenig mit, denn irgendwie hatte bei mir die Vernunft schon ausgesetzt. Nochmals auf Türöffnen gedrückt und ruckelnd öffnete sich die Fahrstuhltür. Nur raus hier!

Noch einmal davon gekommen waren meine Gedanken. Im Zimmer angekommen zitterten mir die Knie und Hände. Den Fahrstuhl habe ich niemals wieder benutzt!

Es folgten Tage der Erholung und der Touren durch die Gebirge rund um den Gardasee.
Eine wirklich außergewöhnliche Straße ist die zu den Schauderterassen bei Tremosine.

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Hier geht es mal locker 600 Meter steil zum See herunter.

 

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Baugenehmigung?

 

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Während wir eine zu Hause vorgeplante Tour fuhren (wir waren allein unterwegs), gerieten wir auf einen unbefestigten Weg.

Ich dachte, dass das nur ein kurzes Stück so gehen würde, aber da hatte ich mich getäuscht. 20 Kilometer auf steinigem Weg, teilweise steil bergan und mit Kurven und Kehren gespickt konnte die GS mal zeigen, dass sie auch das kann. Und ja, sie schaffte auch das, die Eierlegendewollmilchsau.

 

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Auf diesem Weg begegneten wir einem Gamsbock und sahen ein Rebhuhn.

Die anderen nannten mich schon Mister Monte Baldo, der „Hausberg“ am Ostufer des Gardasees. Diesen sind Petra und ich öfter gefahren. Dort lief ein Murmeltier über die Straße. Ich hielt an und wir beobachteten uns gegenseitig. Für ein Foto reichte es allerdings leider nicht. Auch Kühe liefen dort unbeaufsichtigt auf der Fahrbahn und ein frischer Kuhfladen kann verdammt glatt sein!

Die Abende verbrachten wir häufig gemeinsam mit Waltraud, Ralf, Kerstin, Thomas, Tina, Tom, auf dem großen Balkon mit Seeblick.

 

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Von dort konnten wir auch den schwulen Enten (traten in heißen Rudeln mit bis zu 7 Teilnehmern auf) und die Forellen an der Badestelle beobachten.

 

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Bei 17 Grad Wassertemperatur kostete es schon einige Überwindung ins Wasser zu gehen.
Ich könnte noch viel mehr berichten von den wunderschönen Touren rund um den Gardasee. Zusammen mit Waltraud und Ralf haben wir z. B. eine Tagestour von 220 Kilometern gemacht und die längste Gerade war gefühlt 300 Meter lang. Der Rest waren Kurven und Kehren.

Bisher dachte ich, dass die Italiener kulinarisch weit vorne sind, aber weit gefehlt.
Pizza, Pasta und Eis können sie gut. Das Obst und das Gemüse schmeckt so, wie es uns die deutsche Fernsehwerbung weiß machen will, aber ansonsten war ich doch sehr enttäuscht. Kaffee, eine Spezialität der Italiener? Denkste, da koche ich zu Hause besseren Kaffee!

Hier einmal ein Teller Pasta mit nicht durchgezählten 25 Magaronies für 9.- €

 

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Dieser gefüllte Teller kostete dann schon 15.- €, war aber sehr lecker und auch von der Menge her ansprechender

 

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Kartoffeln, Reis, Gemüse? Fehlanzeige!
Wer nach Italien fährt sollte wissen, dass in Restaurants allein für den gedeckten Tisch pro Person 1,50 € – 2,50 € berechnet wird. Unüblich ist es, bei der Rechnung Trinkgeld zu geben.

Ach, ich könnte noch so viel erzählen, aber dann liest es keiner mehr.

Kurz noch zur Rückreise. Auch hier war wieder der zweite Reisetag von Meran nach Würzburg der anstrengendste, weil mit 33 Grad im Schatten der absolut heißeste Tag der gesamten Reisezeit.
Ein negatives Erlebnis hatten wir an diesem Tag außerdem.

Ein Streckenabschnitt in den österreichischen Bergen war für 20 Minuten wegen Felsabräumarbeiten komplett gesperrt. So standen wir direkt in erster Reihe in sengender Sonne zusammen mit einem italienischen F800GS Fahrer und warteten auf die Aufhebung der Sperrung, die dann auch kam.
Der Italiener setzte direkt vor uns seine Fahrt fort. Auch in der Gegenrichtung hatte sich ein langer Stau gebildet. In unsere Fahrtrichtung sahen wir einen italinischen Daimlerfahrer, der vor dem F800GS Fahrer langsam rechts in Richtung Grünstreifen fuhr. Der intalienische Motorradfahrer setzte zum Vorbeifahren an, als der Daimlerfahrer plötzlich nach Links zog, um durch eine im Stau entstandene Lücke zu fahren. Auch eine Notbremsung half nicht mehr und er krachte dem PKW hinten links in den Kotflügel und stürzte. Dabei zog er sich offensichtlich eine Schulterverletzung zu, stand aber sofort wieder auf. Sein Motorrad war erheblich beschädigt. Die Landsleute regelten den Unfall unter sich und es waren sofort diverse Helfer am Unfallort, so dass wir unsere Fahrt fortsetzen konnten.
Natürlich sprachen Ralf und ich über den Unfall und waren uns einig, dass wir das Unfallopfer gewesen wären, wenn wir 2 Sekunden vorher dort gewesen wären. So blöd kann das manchmal kommen.

Jetzt sind wir wieder zu Hause, haben einen wunderschönen Urlaub gehabt und behalten wunderschöne Stunden in Erinnerung!

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